Investoren durch Nachhaltigkeitsberichte gewinnen Eurosif-Studie Teil 2

Investoren durch strukturierte Nachhaltigkeitsberichte gewinnen – Erkenntnisse aus der Eurosif-Studie Teil 2

Wie können Unternehmen durch strukturierte Nachhaltigkeitsberichte Investoren gewinnen? Hinweise zu diesem Thema gibt es in einer kürzlich veröffentlichten Studie mit dem Titel »Eurosif Report on Climate-related Data – The Investors‘ Perspective«, auf deren Inhalte wir im ersten Teil dieser zweiteiligen Serie eingegangen sind. In der Eurosif-Studie werden die Herausforderungen von Investoren im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit von klimabezogenen Daten im Kontext von Anlageentscheidungen diskutiert. In diesem zweiten Teil unserer Miniserie gehen wir der Frage nach, wie Unternehmen die Ergebnisse der Studie nutzen und durch strukturierte Nachhaltigkeitsberichte Investoren für sich gewinnen können.

Hinweis: Mehr Informationen zu Eurosif gibt es auf deren Homepage [1]. Dort steht auch die oben angesprochene Studie [2] zum Download bereit. Den ersten Teil unserer Miniserie finden Sie hier auf unserem Blog [3].

Zentrale Ergebnisse der Eurosif Studie

Zum Einstieg fassen wir an dieser Stelle einige der aus unserer Sicht zentralen Ergebnisse des »Eurosif Report on Climate-related Data – The Investors‘ Perspective« zusammen:

  • Datenqualität: Die Teilnehmer der Studie betonten die Bedeutung von Daten – aus unterschiedlichen Quellen bzw. bereitgestellt von unterschiedlichen externen Dienstleistern – als eine wichtige Grundlage für Investitionsentscheidungen. Fragen zu Klimarisiken und zu Auswirkungen der unternehmerischen Tätigkeit auf das Klima standen dabei im Mittelpunkt. Auch die Implementierung des Konzepts der »doppelten Wesentlichkeit« [4] und damit die Berücksichtigung von ESG-Faktoren entlang der beiden Achsen »financial materiality« und »impact materiality« wurde von den Teilnehmern befürwortet. 
  • Datenverfügbarkeit: Die im Rahmen der Studie Befragten äußerten den Bedarf an umfassenden klimabezogenen Informationen – nicht nur im Hinblick auf die eigene Geschäftstätigkeit des Unternehmens, sondern auch in Bezug auf dessen Wertschöpfungsketten. Das ambitionierte Niveau des »European Sustainability Reporting Standards« (ESRS) [5] sollte beibehalten werden – auch was die Offenlegung von »Scope 3 Emissionen« [6] angeht. 
  • Zukunftsgerichtete Informationen: Informationen zu klimabezogenen Zielen, Risiken und Chancen sind für Investoren relevant – vor allem auch unter dem Aspekt von zukunftsgerichteten Informationen, die eine bessere Einordnung ermöglichen, wie gut ein Unternehmen beispielsweise vor dem Hintergrund globaler Klimaziele und beim Übergang in eine kohlenstoffarme Wirtschaft aufgestellt ist. 

Wie können Unternehmen diese Einsichten nutzen und durch ihre Nachhaltigkeitsberichte zum einen den Anforderungen von Investoren, was die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Daten, die eine große Bandbreite von Fragestellungen abdecken, gerecht werden und zum anderen diese Informationen dazu nutzen, sich auf die Berichterstattung nach der »Corporate Sustainability Reporting Directive« (CSRD) [7] vorzubereiten?

Strukturierte Nachhaltigkeitsberichte, Informationen zur »Nachhaltigkeitsleistung« oder »Corporate Sustainability Performance«

Wir sind bereits in früheren Blogposts darauf eingegangen, dass es das Ziel des »EU Sustainable Finance Frameworks« [8] ist, Kapitalflüsse in Richtung nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten zu leiten. Die Kernbestandteile dieses Frameworks sind die »EU Taxonomie« [9], die »Sustainable Finance Disclosure Regulation« (SFDR) [10] und die »Corporate Sustainability Reporting Directive« (CSRD) [7]. Diese Verordnungen decken alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette von Investments ab. 

Das Schlüsselelement für eine effektive Kapitalallokation ist »Information« – in der folgenden Aufzählung geben wir einen kurzen Überblick dazu, welche Beiträge die jeweiligen Verordnungen hier leisten. 

  • EU Taxonomie: Die EU Taxonomie definiert, welche Wirtschaftsaktivitäten als ökologisch nachhaltig eingestuft werden können.
  • CSRD: Aus der CSRD ergeben sich die Anforderungen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen.
  • SFDR: Finanzmarktteilnehmer erhalten durch die SFDR Leitlinien für die Kennzeichnung von Finanzprodukten auf der Grundlage der EU-Taxonomie.

Ergänzend sind in diesem Kontext die »MiFID II« [11] und »IDD« [12] zu nennen, die Finanzmarktteilnehmern Anleitungen an die Hand gegeben, die entsprechenden Informationen zu integrieren und ausgerichtet an den Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden zu handeln. 

Eine vereinfachte Darstellung von Informations- und Kapitalflüssen über die gesamte Wertschöpfungskette und der dabei anwendbaren Vorschriften, haben wir in der folgenden Abbildung zusammengestellt.

Eurosif Nachhaltigkeitsbericht Informationfluss Datenfluss

Strukturierte und transparente Nachhaltigkeitsberichte als Grundlage für bessere Anlageentscheidungen

Eine möglichst hohe Rendite unter Berücksichtigung ihrer Anlageziele zu erreichen, steht für Investoren im Mittelpunkt. Wie können Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung mit diesem Ziel in Einklang bringen?

So simpel es klingen mag, aus unserer Sicht sind es zwei Faktoren, auf die sich Unternehmen in diesem Kontext konzentrieren müssen: die gezielte Nutzung von Chancen und das Vermeiden von Risiken.

Für die Nachhaltigkeitsberichterstattung bedeutet dies, die bestehenden Chancen zu identifizieren und aufzuzeigen, mit welchen strategischen Ansätzen diese Potenziale erschlossen werden. Die beinhaltet auch Chancen, die sich im Zusammenhang mit nachhaltigen Praktiken, Technologien oder Produkten ergeben. Genauso wichtig ist ein effektives Management der Risiken – angefangen bei Klimarisiken, Übergangsrisiken oder Veränderungen im regulatorischen Umfeld bis hin zu sich verändernden Kundenpräferenzen. All dies kann negative Auswirkungen auf die finanzielle Leistungsfähigkeit eines Unternehmens haben. 

Für Unternehmen ist es deshalb wichtig, in ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung transparent mit Chancen und Herausforderungen umzugehen. 

Grundlegende Chancen und Risiken aus dem Blickwinkel der »Task Force on Climate-related Financial Disclosures«

Was können grundlegende Chancen und Risiken aus Unternehmenssicht sein? Dieser Frage ist die »Task Force on Climate-related Financial Disclosures« (TCFD) [13] nachgegangen und hat eine Übersicht [14] erstellt, die einen guten Einstieg in das Thema darstellt. 

Chancen werden dabei unter anderem in folgenden Bereichen gesehen: 

  • Optimierte Ressourceneffizienz: Unternehmen können die Ressourcennutzung optimieren, indem sie nachhaltige Praktiken und Technologien implementieren, ihr Abfallaufkommen reduzieren und ihre betriebliche Effizienz verbessern.
  • Nutzung erneuerbarer Energie: Der Umstieg auf erneuerbare Energiequellen bietet Möglichkeiten für Innovation und Wachstum.
  • Produkte und Dienstleistungen: Die Entwicklung umweltfreundlicher Produkte und Dienstleistungen ermöglicht es Unternehmen, an der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen zu partizipieren.
  • Märkte: Die Expansion in neue Märkte, die Nachhaltigkeit priorisieren, eröffnet Möglichkeiten für einen größeren Marktanteil und gesteigerte Rentabilität.
  • Resilienz: Die Resilienz im Hinblick auf klimabezogene Risiken ermöglicht es, mit deren Auswirkungen besser umgehen zu können und führt zu einer besseren Adaption an eine sich verändernde Welt.

Unternehmen müssen ebenso adäquat auf potenzielle oder tatsächliche Risiken reagieren. Durch die TCFD wurden folgende potenzielle Risiken identifiziert:

  • Physische Risiken als Folgen des Klimawandels umfassen extreme Wetterereignisse, steigende Meeresspiegel und steigende Temperaturen. Sie können sich negativ auf Infrastrukturen auswirken, zu Unterbrechungen in Lieferketten oder zu steigenden Versicherungskosten und anderen operativen Herausforderungen führen.
  • Übergangsrisiken ergeben sich entlang des Übergangs in eine kohlenstoffarme Wirtschaftsweise. Dieser Bereich umfasst auch sich verändernde politische und rechtliche Rahmenbedingungen, Marktverschiebungen und technologischen Fortschritt, der dazu führt, dass bestimmte Assets und Branchen an Bedeutung verlieren, gänzlich obsolet werden oder finanziell nicht mehr tragfähig sind. Unternehmen der fossilen Energiebranche können beispielsweise von solchen Übergangsrisiken betroffen sein, wenn die Welt auf saubere Energie umsteigt.

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Anforderungen von Investoren an Nachhaltigkeitsberichte – und an zukunftsgerichtete Informationen

Geht es nach der Eurosif-Studie, dann sind die wichtigsten Anforderungen von Investoren 

  • die Offenlegung der bisherigen Nachhaltigkeitsperformance durch eine strukturierte Nachhaltigkeitsberichterstattung (u. a. mit Schwerpunkten auf dem Umfang der bereitgestellten Daten und der Datenqualität) und
  • die Bereitstellung von zukunftsgerichteten Informationen durch die berichtenden Unternehmen. 

Die erforderliche Grundlage dafür ergibt sich zum großen Teil aus den Anforderungen des »European Sustainability Reporting Standards« [5] im Rahmen des Reportings unter der CSRD – auch im Hinblick auf die erforderliche Datenqualität. 

Dies war bisher nicht immer der Fall, wird sich aber hoffentlich mit der Offenlegungspflicht nach der CSRD und dem ESRS ändern. 

Unser Research zeigt, dass es mitunter bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung europäischer Unternehmen deutliche Verbesserungspotenziale gibt. Im Hinblick auf die oben formulierten Anforderungen an eine strukturierte Nachhaltigkeitsberichterstattung können diese grob in drei Kategorien eingeordnet werden: 

  1. Unspezifische Nachhaltigkeitsberichte: Typisch für diese Nachhaltigkeitsberichte ist, dass zwar viele Informationen zu Nachhaltigkeitsthemen enthalten (z. B. in Bezug auf das Land, in dem das Unternehmen ansässig ist, zur Branche, in dem das Unternehmen tätig ist), aber nur wenige spezifische Informationen zum Unternehmen selbst enthalten, die für Investoren relevant sind. Um dies zu kompensieren, enthalten sie ausschweifende Textpassagen und Hochglanzbilder von Windkraftanlagen oder intakter Natur. Typisch sind auch Bilder von Menschen verschiedener Ethnien, um den Eindruck von Diversität zu vermitteln. 
  2. Stark von qualitativen Informationen geprägte Nachhaltigkeitsberichte: In diese Kategorie fallen solche Nachhaltigkeitsberichte, die eine Vielzahl qualitativer Informationen zum berichtenden Unternehmen enthalten und aus denen Investoren zumindest grundsätzliche Tendenzen ableiten können. Die Angaben sind aber in der Regel nicht durch absolute oder relative Zahlen gestützt – beispielsweise zu jährlichen Veränderungen des spezifischen Energieverbrauchs oder der Treibhausgasemissionen. 

Quantitative und strukturierte Nachhaltigkeitsberichte: Nachhaltigkeitsberichte, die in diese Kategorie fallen, stellen sicherlich das Ideal dar. Sie enthalten eine Vielzahl nützlicher Informationen, die mit Zahlen unterlegt sind, zur Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens. Strategische Ziele werden nicht nur benannt, sondern es wird auch dargelegt, wie diese erreicht werden sollen. Diese Art von zukunftsgerichteten Informationen kann Investoren gezielt dabei unterstützen, mögliche Chancen und Risiken vor dem Hintergrund des sich vollziehenden Klimawandels oder im Kontext der Dekarbonisierung, einzuordnen. Ein weiteres wichtiges Merkmal solcher Berichte ist der Einbezug der Ergebnisse von »Wesentlichkeitsanalysen« [4] und Stakeholder-Engagements. 

Zusammenfassung

Eine strukturierte Nachhaltigkeitsberichterstattung ist ein wichtiger Faktor für Unternehmen, wenn es darum geht, Investoren für sich zu gewinnen und ihre Unternehmensbewertung zu verbessern. 

Nachhaltigkeitsberichte, die transparent und strukturiert sind und bei denen sich qualitative und quantitative Informationen ergänzen, stellen dabei das »Ideal« dar – insbesondere wenn sie neben Angaben zur früheren Performance des Unternehmens auch zukunftsgerichtete Informationen beinhalten, die Rückschlüsse auf das Engagement eines Unternehmens in Sachen Nachhaltigkeit zulassen. 

Mit einer strategischen Ausrichtung ihrer Berichterstattung auf die Bedürfnisse von Investoren können Unternehmen nicht nur der wachsenden Nachfrage nach Transparenz gerecht werden, sondern auch insgesamt zu einer besseren Bewertung beitragen.

Anlagen und weitere Fundstellen

[1] Eurosif Homepage

[2] Eurosif – Studie

[3] NordESG – Klimabezogene Daten – Aus der Perspektive von Investoren

[4] NordESG – Doppelte Wesentlichkeit

[5] NordESG – European Sustainability Reporting Standard (ESRS)

[6] NordESG – Scope 3 Emissionen

[7] NordESG – CSRD

[8] Europäische Kommission – Überblick zu Sustainable Finance

[9] NordESG – EU-Taxonomie

[10] NordESG – SFDR

[11] NordESG – MiFID II

[12] NordESG – IDD

[13] Task Force on Climate-related Financial Disclosures – Homepage

[14] Task Force on Climate-related Financial Disclosures – Chancen und Risiken

Über NordESG

NordESG hat sich auf die Beratung zu ESG und Nachhaltigkeit in Deutschland, Europa und Nordamerika spezialisiert. Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre ESG- und Nachhaltigkeitsstrategien zu entwickeln und zu implementieren.

Unternehmen unterstützen wir nicht nur dabei ihren Offenlegungspflichten wie der CSRD nachzukommen, sondern auch dabei ihre Nachhaltigkeitsstrategie proaktiv gegenüber ihren Stakeholdern wie Investoren, Geschäftspartnern, Kunden oder lokalen Gemeinschaften zu kommunizieren.

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